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Auszug aus der Chronik der Kirchengemeinde Ducherow für das Jahr 1749                

„Memorabilia Anni 1749

4) haben wir in Europa 1749 einen solchen weichen Winter, dergleichen sich die Methusalemer dieses Seculi nicht  Erinnerung gehabt und erlebt zu haben, man hat an vielen Orten Blitz und Donner, eben alß im heißen Sommer gehabt, im Februar sollen zu Luttich schon Erbs- … und in Paris den 31. Jan. die Mandel- und Joh. Beer- Bäume schon …

Seit dem 10 bis 13 Jan. ist allhier eine so strenge Kälte gewesen, dass das Thermometer des Ber: U v Liste 206 Grad gefallen. Die Wirkungen so die Kälte in diesen 4 Tagen gehabt, ist sehr betrübt gewesen. Leute, die ihrer nothwendigen Geschäfte halber haben ausgehen müssen, sind tod und erfrohren gefunden worden. Man hat beinahe 100 nach dem Hause gebracht, wo sich die Officire der Policey versammeln. Die letzte Abtheilung des Garderegiments, so auf dem marsch nach Moscau begriffen war, hat sich unterwegs aufhalten müssen, und einen Theil der dazugehörigen Soldaten, hat man erfrohren und ohne Empfindungen gefunden. Die Equippage des Röm. Kayserl. Gen. Berner, so den selben Weg genommen, hat gleichfals stille halten müssen, nachdem die Bedienten, so dabey gewesen durch die Kälte in einen erbärmlichen Zustand gesetzet worden, und einige die Nasen und Ohren, andere Hände und Füße gantz zerfrohren, und andere denGebrauch der Sprache verloren. Die Mitglieder der Kayserl. Armee finden in ihrer Sammlung von einer so außerordentlichen Kälte gar keine Nachricht. Es ist daher zu glauben, dass die Kälte in den anderen Theilen dieses Reiches, die dem Pol noch näher liegen, den Menschen sowohl als auch den Thieren, noch viel schädlicher gewesen. Seit dem 14ten ist die Witterung viel gemäßigter gewesen. Zu Lappland sollen gantze Dörffer von Menschen und Vieh ausgestorben seyn. Im Februar kam wieder ein klein Stößgen – Frost, worauf lauter Frühlings – Tage und- Nächte folgeten, so dass es des Nachts würcklich thauete. Vom 6 bis 29 Martii kam wieder ein beständig anhaltender Winter, so dass es auch in den Brunnen frohr, wobey sehr viel Schnee wahr. Vom 30 Martii bis den 6 April hielte das kalte Wetter immer an, so dass es einen gantzen Monat gedauret hat. Worauf den 6 April, als am 1. Ostertage gelinde Wetter und fruchtbarer warmer Regen folgete. Vom 7 bis 14 Tage heller (O)schein, Nachts Frost oder Reiff. Vom 15 bis 22 bald warm bald kalt, den 8 May klar Wetter, wodurch eine unbeschreibliche Menge May – Käfer sich eingefunden, und so zeitig kamen, als sonst niemahls, indem kaum das Laub ausgeschlagen wahr, welches sie denn bis Johannes hin immer fraßen. Ich habe in meinem Garten wohl 12 Scheffel verbrannt und zerquetschet. Sonstenbrachte der May – Monat das allerfruchtbarste Wetter, bals Regen bald (O)schein und Gewitter, womit auch die erste Hälffte des Junii anhielt, von welcher Zeit an aber sich das Wetter sehr schädlich anließ, indem von vielen Orten und Ländern geschrieben wird, dass amn mitten im Sommer einen Winter fühle, in dem ungemein viel und großer Hagel in den Wolcken sich fand, wodurch unbeschreiblicher Schaden entstand, unter andern in Rom, Breslau, Mayland, in der Neumark, in England, Florenz, Bayern, Cöln, Piemont, Hungarn, aus Wien wird vom 3 Julii geschrieben: allhier hat man keinen Sommer, sondern Winter, da nicht nur in Steyermark, sondern auch an andern Orten ein tieffer Schnee gefallen, so schreibt man aus Mayland, dass der Schnee halb-Manns-hoch gelegen, wodurch über 50 Menschen umgekommen, und man genötiget worden, überall einzuheitzen. Von Edinburg wird den 1 Julii geschrieben: seit drey Wochen ist allhier das kälteste Wetter gewesen, das man bey Menschengedenken in dieser Jahreszeit gehabt habe.Auf den Gebirgen ist ein sehr tiefer Schnee gefallen, und an unterschiedlichen Örtern hat man … gehabt.Verschiedene Früchte haben vieles gelitten, allein das Korn stehet so schön, alß man wünschen kann … und dieses kann man mit Wahrheit aus den mehresten Theilen der Welt melden, indem wir ein solch gesegnetes Korn – Jahr haben, alß in langen Zeiten nicht gewesen; so gar dass aller Art von Getreide den reichsten Segen des Herrn verkündiget, dessen heiliger Nahme say gelobet! Wie ich denn auch Gottlob! Soviel Korn habe, alß ich in 18 Jahren nicht gehabt. Der Weitzen allein ist nachgeblieben.“

Erarbeitet aus der von Pastor Dr. Martin als Auszug aus dem Ducherower Kirchenbuch (Sterberegister) bereitgestellten Urschrift.

 

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